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Habe ich als Grenzgänger Anspruch auf Kindergeld?

In der Schweiz heißt das Kindergeld „Kinderzulage“ und wird, anders als in Deutschland, vom Arbeitgeber zusammen mit dem Gehalt ausbezahlt. Pro Kind sind dies 200 Franken im Monat, bei Kindern ab 16 (bis maximal 25 Jahre) heißt es „Ausbildungszulage“ und beläuft sich auf monatlich 250 Franken.

Kindergeld oder Kinderzulage wird generell dort gewährt, wo eine Erwerbstätigkeit ausgeübt wird.

Wenn also ein Familienvater als Grenzgänger in der Schweiz arbeitet, seine Familie aber in Deutschland wohnen bleibt, erhalten die Kinder die Schweizerische Kinderzulage. Falls beide Elternteile arbeiten, entscheidet der Wohnort des Kindes. Falls die Schweizer Zulage geringer ausfallen sollte als das aktuelle deutsche Kindergeld – es sind derzeit monatlich 192 Euro für das erste und zweite Kind, 198 Euro für das dritte Kind und 223 Euro ab dem vierten Kind – kommt die deutsche Familienkasse für die Differenz auf.

Wichtig ist, die Schweizer Kinderzulage beim Arbeitgeber zu beantragen. Dem Antrag muss die Geburtsbescheinigung, außerdem eine Wohnsitzbescheinigung des Kindes beigefügt werden. Für jedes Kind muss dieser Antrag neu gestellt werden. Parallel dazu muss die deutsche Familienkasse informiert werden.

Grenzgänger können grundsätzlich auch in Deutschland Elterngeld beantragen, wenn sie in Elternzeit gehen wollen. Da diese Option in der Schweiz nicht existiert, müssen sie sich von ihrer Arbeit in der Schweiz freistellen lassen bzw. ihre Arbeitszeit reduzieren. Das Elterngeld richtet sich nach dem Einkommen der letzten zwölf Jahre vor Geburt des Kindes, die maximale Summe liegt bei 1800 Euro im Monat. Elterngeld muss in Baden-Württemberg bei der L-Bank beantragt werden.

Die Rechtsanwälte der Kanzlei Reissmann & Künstle in Bad Krozingen sind spezialisiert auf die Rechte von Grenzgängern bzw. das Arbeitsrecht in Deutschland und der Schweiz. Zögern Sie nicht, sich bei komplizierten Fragestellungen professionellen Rat zu holen!


Schweizer Bundesamt für Statistik: Es gibt aktuell rund 37.000 Grenzgänger aus Deutschland!

Das Schweizer Bundesamt für Statistik veröffentlichte im August 2017 aktuelle Zahlen, wie viele Grenzgängerbewilligungen ausgestellt wurden und – das ist interessant – aus welchen Gemeinden im Südwesten Deutschlands die Schweiz-Pendler kommen.

Das Ergebnis lautet:

2016 gab es rund 37.000 Arbeitnehmer, die aus Deutschland zur Arbeit in die Schweiz pendeln. Dies lässt sich aufteilen in etwa 22.000 Personen aus dem Kreis Lörrach und fast 15.000 Personen aus dem Kreis Waldshut.
Aus Lörrach pendelten die Arbeitnehmer etwa zur Hälfte nach Basel. Aus Waldshut pendelten die Hälfte in den Kanton Aargau, etwa 3.500 nach Zürich und etwa 1.250 nach Schaffhausen.
Eine weitere Kennzahl betraf die so genannte „Grenzgängerdichte“. Sie gibt Aufschluss darüber, wie viele Menschen in einem grenznahen, deutschen Ort ihre Arbeitsstelle in der Schweiz haben.
Am meisten sind es in den Gemeinden Inzlingen, Grenzach-Wyhlen, Rümmingen und Fischingen. Dort sind etwa ein Drittel der Arbeitnehmer Grenzgänger. Mehr als ein Drittel, sogar rund 40% pendeln aus Hohentengen, Lottstetten, Jestetten und Dettighofen. Etwas weniger, aber immerhin jeder vierte Arbeitnehmer pendelt aus den größeren grenznahen Städten Lörrach, Rheinfelden, Weil am Rhein, Waldshut-Tiengen und Bad Säckingen zum Arbeiten in die Schweiz. (Quelle: www.bfs.admin.ch) .

Sind Sie Grenzgänger? Brauchen Sie juristische Unterstützung von einem auf Schweizer Arbeitsrecht spezialisierten Anwalt? Dann sind Sie in der Kanzlei Reissmann & Künstle in Bad Krozingen, einer Zweigniederlassung der Kanzlei Reissmann & Künstle in Lörrach, gut beraten! Vereinbaren Sie gerne einen Termin!


Altersvorsorge in der Schweiz: Das Drei-Säulen-Modell

Grenzgänger, die mindestens ein Jahr lang in der Schweiz arbeiten, erwerben dort auch Rentenansprüche. Da wir in der Zweigniederlassung unserer Kanzlei in Bad Krozingen spezialisiert darauf sind, Grenzgänger juristisch zu beraten, wollen wir das Schweizerische Rentensystem hier kurz erläutern.

Die Schweizerische Altersvorsorge basiert auf drei Säulen: der staatlichen, der beruflichen und der privaten Rente.

Die erste Säule ist die staatliche Rente, die so genannte AHV-Rente (Alters- und Hinterlassenenversicherung). Anteile für diese Rente werden dem Arbeitnehmer direkt vom Gehalt abgezogen. Der Arbeitgeber trägt die Hälfte der Beiträge. Die AHV-Rente ist gering, sie reicht nur zur minimalen Existenzsicherung. Ein ehemaliger Grenzgänger, der wieder ganz in Deutschland arbeitet, behält seinen Schweizer Rentenanspruch.

Die zweite Säule ist die berufliche Pensionskasse. Auch hierfür werden die Beiträge vom Lohn abgezogen, der Arbeitnehmer übernimmt mindestens die Hälfte der Beitragssumme. Die Summe aus AHV (Säule 1) und Pensionskasse soll ausreichen, um den Lebensstandard auch nach der Pensionierung zu erhalten. Der Rentenanteil aus der Pensionskasse kann als Altersrente oder in einer einmaligen Kapitalausschüttung bezahlt werden.

Die dritte Säule ist der Anteil, der vom Arbeitnehmer privat übernommen wird. Während der Berufstätigkeit wird freiwillig Geld für den Ruhestand angespart, was für Schweizer Arbeitnehmer steuerlich sehr lohnend ist. Diese Säule der Rentensicherung ist Grenzgängern aus Deutschland jedoch nicht möglich! Außerdem bekommen Grenzgänger in Deutschland keine Riester Rente. Deshalb gibt es für Grenzgänger die Möglichkeit, eine freiwillige Direktversicherung in der Schweiz abzuschließen. Diese hat, ähnlich wie die Riester-Rente, steuerliche Vorteile.

Für Fragen und Anliegen zum Deutschen und Schweizerischen Arbeitsrecht kontaktieren Sie bitte Rechtsanwalt Herwig Reissmann oder Rechtsanwalt Hannes Künstle in der Zweigniederlassung unserer Anwaltskanzlei in Bad Krozingen!